Sep 25
In seinem Kommentar zum Beitrag “Intelligenzfrage: Wir sind doch nicht blöd – oder doch?” fragt Harald Streich: „ … Wer steckt denn hinter den Medien, der Werbung, der Industrie, den Kriegstreibern, der Politik, oder dem weltweiten Bankensystem? …“
Gehen wir das Thema einmal so an, lieber Harald Streich: Die besagten „Hintermänner“ sitzen in den Bundesministerien für Finanzen, Wirtschaft, Gesundheit, Verkehr, Umwelt, Bildung und Forschung, im Innen- und Außenministerium sowie im Bundeskanzleramt. Nämlich Vertreter folgender Konzerne und Lobbyverbände (aber nicht nur die): BASF – Bayer – BDI – Bertelsmann Stiftung – BP – Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft – Bundesverband Deutscher Banken – Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands – DaimlerChrysler – Deutsche Bank – Deutsche Telekom – Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt – Dresdner Bank – E.ON – EADS – Fraport – Hauptverband der Deutschen Bauindustrie – HSH Bank – IBM – Lufthansa – Morgan Stanley – PricewaterhouseCoopers – Robert-Bosch-Stiftung – Roland Berger – SAP – Schenker – Siemens – Thyssengas – Verband der chemischen Industrie – Verband forschender Arzneimittelhersteller – Vivento – Wingas – Wintershall …
Sehr viel mehr über das Thema enthält das Buch „Der gekaufte Staat. Wie Konzernvertreter in deutschen Ministerien sich ihre Gesetze selbst schreiben“ von Kim Otto und Sascha Adamek. Die Autoren schildern auf über 180 Seiten Entstehungsgeschichte und Zusammenhänge des Lobbyismus-Prinzips und nennen seine Mitwirkenden. Ross und Reiter werden auch in anderen Büchern genannt:
- „Die Selbstbediener. Wer sich unser Geld einsteckt“ von Peter Huth und Jan Engelke (rororo)
- „Asoziale Marktwirtschaft. Insider aus Politik und Wirtschaft enthüllen, wie die Konzerne den Staat ausplündern“ von Hans Weis und Ernst Schmiederer (Kiepenheuer & Witsch)
- “Lizenz zum Bauernfang. Die Selbstbereicherungsstrategien der Fonds-Manager und das Versagen der Finanzkontrolleure“ von Stefan Loipfinger (www.lizenzzumbauernfang.de)
- „Die Globalisierungsfalle. Der Angriff auf Demokratie und Wohlstand“ von Hans-Peter Martin und Harald Schumann (Rowohlt)
- „Wirtschaftsvampire. Selbstbereicherungsstrategien in Unternehmen“ von Robert Jakob (Gerling Akademie Verlag)
Sep 25
Geradezu passend zu unserem Beitrag vom 24. September „Sterben die Bienen aus?“ hat die taz einen Artikel veröffentlicht. Den Freunden der Hautflügler “gruselt” es vor Schwarz-Gelb, denn sie haben das Zehn-Punkte-Programm der FDP gelesen. Darin steht, dass die FDP sich stark macht für grüne Gentechnik. Guido Westerwelle, sozusagen den “Schutzheiligen der Agro-Industrie”, wählen? Ein absolutes Unding für Imker – höchste Zeit für Aufklärung also, kurz vor der Wahl sollen die Politiker den Stachel im Fleisch spüren.
Den Artikel finden Sie hier:
http://www.taz.de/1/wahrheit/artikel/1/bienen-gegen-westerwelle/
Sep 25
Die Beispiele reichen von Gesundheitsreform und Fluglärmgesetz über die Legalisierung der Heuschreckenfonds, den Ausverkauf öffentlicher Projekte an Baukonzerne, das Energiewirtschaftsgesetz, bis hin zu milliardenschweren Investitionsprojekten wie der Lkw-Maut. In allen Fällen haben Großkonzerne bezahlte Mitarbeiter in Ministerien platziert.
Auch die EU-Kommission greift auf »U-Boote« der Industrie zurück: Im Fall der EU-Chemikalienrichtlinie REACH ist ein BASF-Mitarbeiter sogar erst in der EU-Kommission, dann im Bundeswirtschaftsministerium tätig gewesen, um die Chemierichtlinie im Sinne der Industrie zu beeinflussen – nur einige wenige Beispile, auf die Kim Otto und Sascha Adamek bei ihren Recherchen für das ARD-Politikmagazin „Monitor“ stießen. Sozusagen die Spitze des Eisbergs.
Beide Autoren haben das Thema Lobbyismus in ihrem Buch aufgegriffen und vertieft. Schon der Titel spiegelt den Skandal wider, der sich hinter dem Rücken von Wählern und gutgläubigen Volksvertretern abspielt: „Der gekaufte Staat. Wie Konzernvertreter in deutschen Ministerien sich ihre Gesetze selbst schreiben“.
Wölfe im Schafspelz – so ließe sich der heute praktizierte Lobbyismus beschreiben. Weitere Details zum Buch und einige Links zum Thema finden Sie hier:
http://www.ratschlag24.com/index.php/woelfe-im-schafspelz-so-funktioniert-lobbyismus_000054155/
Sep 24
Beunruhigende Beobachtungen und Meldungen von Imkern aus ganz Deutschland gaben den Anstoß zu einer Alarmkampagne. „Wenn nicht rasch ein Umdenken und ein neues Handeln in der Landwirtschaft erfolgt, werden wir stumme Sommer erleben – und sehen, dass die Bienen für die Bestäubung und damit auch für die Ernten unersetzlich sind.“ In diesem Sommer litten Honigbienen in Deutschland Futtermangel. Sie wären verhungert, hätten Imker sie nicht mit Zuckerwasser am Leben erhalten. „Der Futtermangel bei Bienen und anderen Blüten besuchenden Insekten ist dramatisch“, erklärt Imkermeister Günter Friedmann, Sprecher der biodynamischen Demeter-Imker und Träger des Förderpreises ökologischer Landbau. Seit 30 Jahren ist Friedmann Berufsimker. Aber „mit einer solchen Situation wurde ich noch nie konfrontiert“, betont er, „obwohl sich diese Entwicklung eigentlich seit mehreren Jahren anbahnt und auch zu den Bienenverlusten der letzten Jahre beigetragen hat“. Nach der Rapsblüte im Mai beginne in vielen Regionen Deutschlands für die Bienen eine Zeit des Mangels und oft auch des Hungerns. Es werde immer deutlicher, dass auf den Feldern und Wiesen mittlerweile zu wenig blüht, um den Insekten ausreichend Nahrung zu bieten.
Verantwortlich dafür ist nach Ansicht von Experten die sich weiter intensivierende Landwirtschaft mit immer früheren Mähterminen und einer starken Überdüngung der Wiesen. In den USA (wo bereits seit Jahren gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden) ist man da schon viel weiter, wenngleich in negativer Hinsicht. Dort kommt es zu einem massenhaften Bienensterben, vor allem während der Raps- und Maisblüte. Auch in anderen Ländern wird dieses Phänomen zunehmend beobachtet. Zwar gibt es hierzu bisher keine eindeutigen Studien. Einige Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass die Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen das Immunsystem der fleißigen Insekten schwächen und sie dadurch anfälliger für Parasitenbefall machen.
Vor den möglichen Folgen einer Welt ohne die fleißigen Honigsammler und Pflanzenbestäuber hatte schon Albert Einstein gewarnt: „Wenn die Biene von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Biene mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.”
Ein umfangreicher Artikel zum Thema findet sich bei:
http://www.scienceblogs.de/mahlzeit/2008/05/honigsammler-unter-druck.php
Sep 15
Heute in der ARD um 22:47 Uhr – Menschen bei Maischberger – Thema: Die größten Ernährungslügen. Wie gesund ist unser Essen?
Sep 10
Die alte südpazifische Heilpflanze Kava Kava war um die Jahrtausendwende ziemlich “in”. Sie sollte hauptsächlich entspannend wirken, ein Stimmungsaufheller sein und die Konzentration erhöhen. Möglicherweise war sie zu „in“. Mit solchen Produkten lassen sich nämlich blendende Geschäfte machen. 2002 wurden die Kava-Kava-Präparate auch prompt verboten. Plötzlich sah sich die Jahrhunderte lang bewährte Pflanze dem Vorwurf ausgesetzt, sie würde die Leber schädigen.
Hierzu einige Kommentare aus einem Blog:
„Nie war der Himmel blauer, das Leben angenehmer und das Nichtrauchen leichter, als mir mal ein Heilpraktiker eine Schachtel schwedischer “Kava-Kava-Tabletter” gegeben hatte. Völlig unsensationelle aber intensive Wirkung. Ganz klar, dass so was der Pharmaindustrie ein Dorn im Auge ist. Vermutlich haben sie es nicht geschafft, sich ein Patent darauf zu sichern …“
„Alles Gute aus der Natur wird kriminalisiert und verschwindet aus fadenscheinigen Gründen aus dem Handel, wird durch irgendwelchen Dreck aus den Pharmalabors ersetzt, bevor man dann nach ein paar Jahren feststellt, dass genau dieser Dreck völlig unerwartete und megaüble Spätfolgen zeitigt. Hauptsache jemand hat fleißig verdient…“
„… dass es ein gewaltiger Unterschied ist, ob der Extrakt aus den Blättern (oberirdische Pflanzenteile) oder aus dem Wurzelstock gemacht wird und die einheimischen Hersteller haben sich gewundert weil die Pharmakonzerne ihnen auch das Kraut abkauften, was die ja sonst nicht losbekommen… Resultat waren eben die Nebenwirkungen die dann zum Verbot geführt haben …“
Inzwischen bestätigte eine australische Studie die Wirksamkeit der Pflanze. Außerdem gehen die Forscher davon aus, dass bei sachgerechter Gewinnung des Pflanzen-Extrakts deren negative Wirkung auf die Leber nur sehr gering ist.
Nähereres unter http://www.heise.de/tp/blogs/3/137802
Sep 09
Der Anbau von genmanipulierter Baumwolle hat weder den Pestizidverbrauch verringert, noch die Ernten gesteigert oder den Kleinbauern geholfen. Das ist das Fazit von Dominic Glover, Wissenschaftler an der Universität Sussex (GB). Für seine Arbeit hat er zahlreiche Studien ausgewertet, die in renommierten Fachzeitschriften erschienen. Die weit verbreiteten Versicherungen, dass gentechnisch veränderte Pflanzen den Armen nutzen, seien wissenschaftlich kaum belegt, resümiert der Entwicklungsexperte. Die vorliegenden Studien seien widersprüchlich. Die Gründ sieht er darin, dass die gemessenen Faktoren wie z.B. Ernteertrag oder Pestizideinsatz von zahlreichen anderen Faktoren mitbestimmt werden. Wenn sie nicht gut an die jeweilige regionale Landwirtschaft angepasst sei, nütze es wenig, einer Pflanze ein, zwei neue Gene hinzuzufügen.
Quelle: Schrot & Korn
Sep 07
Nach den Enthüllungen über verdeckte PR der Deutschen Bahn ist ein neuer Fall ans Licht gekommen: Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie e.V. (VDB) räumte ein, er habe 2008 monatelang mit unlauteren Mitteln Werbung für seine Ziele – die positive Darstellung von Biosprit – betrieben. Erneut war die Denkfabrik „Berlinpolis“ an der Ausführung beteiligt. Auch die eingesetzten Mittel gleichen sich. Hintergrund: Umweltverbände und Entwicklungsorganisationen hatten zunehmend ökologische Bedenken vorgebracht und Biokraftstoffe als Auslöser von Hunger in Entwicklungsländern kritisiert. Daraufhin schrieben Mitarbeiter von Berlinpolis „Leserbriefe“, die nicht als PR gekennzeichnet waren und u. a. bei FAZ.Net, FR-Online, Welt, Junge Welt, Märkische Allgemeine und der taz veröffentlicht wurden.
Darüber hinaus publizierte Berlinpolis Artikel bei der FTD und der WELT, die sich für die positiven Aspekte des Biosprits aussprachen. Wie schon im Fall der Bahn wurde die Internetseite www.zukunftmobil.de, die inzwischen aus dem Netz genommen wurde, als Plattform für Online-Beiträge genutzt, die nicht als PR erkennbar waren. Weitere Brisanz erhält der Fall durch Artikel von Berlinpolis-Mitarbeitern zum Thema Energie auf der Website “Kreative Ökonomie”. Dieser war nicht als PR-Beitrag gekennzeichnet. Die Seite wird vom Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie in Nordrhein-Westfalen betrieben.
Sogar die Tagesschau berichtete über die getürkte Volksmeinung. Der Beitrag ist online anzusehen (ab Minute 4:09): http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts13276.html/
Fazit: Wie schon im „Fall DB“ wurde versucht, Öffentlichkeit und Politik dadurch zu beeinflussen, dass vermeintlich unabhängige Dritte im Sinne der Biosprit-Industrie in die öffentliche Debatte eingriffen. Lobbycontrol, ein gemeinnütziger Verein, der über Machtstrukturen und Einflussstrategien in Deutschland und der EU aufklären will, deckte den Vorfall auf und brachte ihn an die Öffentlichkeit. Die Initiative forderte inzwischen ein gesetzlich verankertes Lobbyisten-Register, das Lobbyisten zur Transparenz über ihre Auftraggeber und Budgets verpflichtet.
http://www.lobbycontrol.de/blog/
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