Vor zehn Jahren noch hieß es: Gesund ist, wer nicht krank ist. Heute sieht man das anders. Gesundsein heißt jetzt fit sein und ist ein Lebensgefühl. Es bedeutet Vitalität, positive Ausstrahlung, Attraktivität, Spannkraft, Sinn für Spaß und Genuss. Menschen mit solchen Qualitäten sind die Vorführmodelle unserer Gesellschaft. Lustvoll und leistungsfähig, immer gut drauf und irgendwie nicht unterzukriegen.
Wer Fitness und Gesundheit ausstrahlt, hat einen hohen Tauschwert – in Freizeit, Job und im Liebesleben. Und: Gesunde und fitte Menschen vertrauen dem Leben, betrachten Belastungen als normal, Krisen als Chancen, Probleme als Herausforderungen.
Ja – so möchten, so sollten wir alle sein… Früher war das anders. Wer wissen wollte, ob er gesund ist, ging zum Arzt und überließ ihm seinen Körper. Der warf seine Apparaturen an, überprüfte den Body auf Herz und Nieren. Er übernahm die Verantwortung für unser Heil-Sein, verschrieb uns Tabletten und wir fühlten uns genau so, wie der Arzt uns beurteilte.
Heute übernehmen wir mehr und mehr selbst die Verantwortung für unsere Gesundheit. Als Patienten fühlen wir uns unabhängiger, freier und mündiger. Wir lernen, daß es auch eine subjektive Befindlichkeit gibt, daß Gesundheits-Checks sehr irreführend sein können. Sagen sie doch nur etwas über unsere klinische Verfassung zum Zeitpunkt der Untersuchung aus – wie der Kontoauszug eines einzigen Tages.
Der gleiche Mensch kann schon eine Woche später Anzeichen einer lebensgefährlichen Krankheit entwickeln. Also weg mit der Apparatemedizin? Nicht ganz. Wir brauchen sie, wenn wir den Verdacht haben, dass etwas mit uns nicht stimmt. Wir brauchen sie, wenn wir wirklich krank sind. Aber all die anderen, die sich im breiten, täglich wechselnden Spektrum des Nicht-ganz-gesund-seins und nicht-ganz-krank-seins bewegen brauchen Hilfe zur Selbsthilfe.
Fitness und Wellness sind solche Lebenswege. Es sind Orientierungspfade zur geistig-seelischen und körperlichen Weiterentwicklung. Um auf diesem Weg voranzukommen, kann es sinnvoll sein, uns auch auf nichtärztliche Experten einzulassen. Auf Heilpraktiker, Musik- und Bewegungstherapeuten, Osteopathen, Masseure, Homöopathen, Ernährungsberater und andere Vertreter ganzheitlicher Heilsysteme. Sie erklären uns, dass es Zusammenhänge zwischen Gedanken und Gefühlen, zwischen Gefühlen und Lebenseinstellung, zwischen Lebenseinstellung und Verhalten, zwischen Verhalten und Gesundheit gibt.
Nun geht es darum, die falschen von den richtigen Gurus zu unterscheiden, herauszufinden, welche Therapie, welche Philosophie uns wirklich weiterhilft. Es geht um Verantwortung und darum, sie für uns und unsere Gesundheit selbst zu übernehmen. Wir müssen lernen, in uns hineinzuhorchen, unsere Körpersprache richtig zu verstehen und unsere Bedürfnisse herauszufinden. Die Wahrheiten, die dabei zutage treten, sind nicht immer angenehm. Manchmal müssen wir uns dann nämlich ändern.
Ein chinesisches Sprichwort sagt: “Gibt man einem Menschen einen Fisch, ernährt man ihn einen Tag. Lehrt man ihn das Fischen, ernährt man ihn für sein Leben.”
Viel Spaß beim Fischen und bleiben Sie gesund!





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