Auch vier Jahre nach dem Lipobay-Skandal bekommen immer noch viel zu viele Menschen mit nur geringgradig oder mittelschwer erhöhten Cholesterin-Werten Lipidsenker, obwohl allein eine Ernährungsumstellung risikolos die Blutfette senken könnte, kritisiert Ernährungsexperte Sven-David Müller-Nothmann vom Zentrum für Ernährungskommunikation und -beratung (ZEK), Aachen, „die Machenschaften der Cholesterinmafia“. Für den Ernährungsratgeber „Cholesterin natürlich senken“ (Knaur, 9,90 €) hat er zusammen mit der Ernährungswissenschaftlerin Katrin Raschke die wissenschaftliche Fachliteratur zusammengefasst. Ergebnis: Bis zu 50 Prozent der Lipidsenker-Verordnungen seien überflüssig und setzten die Gesundheit der Patienten unbegründet Gefahren aus. Nicht genug, dass die Werbung „der Cholesterinmafia“, die für rezeptpflichtige Arzneimittel wie Lipidsenker eigentlich verboten sei, den Menschen regelrecht einrede, dass jeder Cholesterinwert über 200 mg/dl ein Gesundheitsrisiko darstelle, verunsicherten immer noch viele Ernährungsmärchen die Bevölkerung.
Niemals habe eine Studie ergeben, dass der Konsum von Hühnereiern, die relativ cholesterinreich sind, den Cholesterinspiegel im Blut erhöhen oder gar ein Herzinfarktrisiko darstellen. Dagegen zeigten verschiedene aktuelle Studien, dass das Lecithin im Eidotter den Cholesterinspiegel senke. Ein klassisches Ernährungsmärchen sei auch, dass Olivenöl ein besonders herzgesundes Öl ist. Olivenöl ist reich an cholesterinspiegel-erhöhenden gesättigten Fettsäuren und enthält wenig herzgesunde mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Im Gegensatz zu Raps-, Lein- oder Nussöl ist Olivenöl praktisch frei von Omega-3-Fettsäuren.
Durch die Umstellung der Ernährungsweise und die Einnahme von Naturprodukten wie Lecithin, Sojaprodukte, wasserlösliche Ballaststoffe wie Plantago-ovata-Samenschalen, Phytosterine und Artischocke lasse sich der Cholesterinspiegel langfristig problemlos um bis zu 30 Prozent senken. Damit ergebe sich erst bei Cholesterinwerten oberhalb von 300 mg/dl die Notwendigkeit für die Verordnung von Lipidsenkern, erläutert Müller-Nothmann.
Auch bei höheren Werten lässt sich durch eine cholesterinspiegelsenkende Kost die Dosierung von Medikamenten herabsetzen. In ihrem Ernährungsratgeber erläutern die Autoren die Alternativen zu Lipidsenkern der Pharmazeutischen Industrie und beweisen anhand von Studien die Wirksamkeit von Naturprodukten. Die Ernährung stellt gerade für Herz und Gefäße die beste Medizin dar. In 40 leckeren Rezepten beweisen die Autoren dem Leser, dass die Umstellung der Ernährungsweise auf cholesterinspiegelsenkende Nahrung mit Genuss einhergeht.
Wichtig ist allerdings, dass der Cholesterinspiegel grundsätzlich relativ träge auf diätetische Maßnahmen, Naturstoffe und auch Lipidsenker reagiert, betont Müller-Nothmann. Erst nach zwei bis drei Monaten nach der Ernährungsumstellung sollte eine Laborwertkontrolle stattfinden, die in der Regel beweist, dass Lipidsenker überflüssig sind. Eine Ernährungsumstellung lässt nach der Auswertung von Studien insbesondere das gefäßschädigende LDL-Cholesterin absinken, während das gefäßschützende HDL-Cholesterin nicht abfällt. Den gleichen gesundheitsförderlichen Effekt können viele Lipidsenker nicht nachweisen, mokiert sich Müller-Nothmann. In seinem Geleitwort betont der renommierte Internist und Direktor der Medizinischen Klinik II des Klinikums Darmstadt Professor Dr. med. Hubertus Wietholtz, dass häufig überhaupt keine medikamentöse Therapie bei Hypercholesterinämie notwendig sei, wenn der Patient nur die Kost entsprechend umstelle und mehr Bewegung in den Alltag einfließen lasse.





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