Qualität hat ihren Preis … Billigware auch!

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Hauptsache billig! Mit dieser sparen-ist-clever-Message in Zeitung, Rundfunk und per Fernsehwerbung wird der Verbraucher täglich traktiert.Konsum-Prominente, für viel Geld fröhlichst grinsend, zeigen uns, wie wir es anstellen müssen, wollen wir schlauer einkaufen als andere es anderswo tun. Unser Lohn vor dem Cleverle-Spiegel: Ich, das Schlitzohr, der Schnäppchenjäger mit dem gnadenlosen Spar-Riecher. Da schwillt der persönliche Kamm und die Psyche rekelt sich. Man ist ja schließlich nicht blöd und endlich kann man das allen beweisen. Zweifellos und unübersehbar haben sich die Motive zum Sparen völlig gewandelt. Wurde einst preisbewusst eingekauft, um die Ersparnis für schlechte Zeiten zurückzulegen, spart man heutzutage, um konsumieren zu können. Erst zu Aldi, dann in den Hochpreis-Designerladen, lautet die Devise. Der Verbraucher, schnäppchenberauscht, strebt nach dem permanenten Tiefpreis-Download, nagt penetrant an der Borderline zum Aasgeierpreis – um sich am Ende anderweitig in neuen Anschaffungen finanziell zu verheddern.

Die Kehrseite der Billig-Euphorie sieht auch unter anderen Aspekten weniger glanzvoll aus: Tanker unter Billig-Flaggen treiben ganze Küstengebiete in den Ölnotstand, Arbeiter aus Billiglohn-Ländern produzieren Häuser, die kaum noch das Richtfest überstehen, der Billig-Schrank trieft aus allen Poren vor Formaldehyd.

Nur die Spitze des Eisberges oder die Panikmache selbsternannter Fingerheber? Sehen wir das mal exemplarisch-historisch: Als das Asbest ins Gerede kam, hieß es, nichts werde ja so heiß gegessen und man müsse doch nicht gleich mit dem Schlimmsten rechnen … Die Warnung vor maroden Kernkraftwerken, vor Tschernobyl wurden sie noch belächelt … Und wie war das mit BSE? Wurde nicht auch diesbezüglich lange und energisch abgewiegelt, desinformiert und vertuscht? Sicher, die Profitsucht von Futtermittelherstellern, Fleischverarbeitern und Großagrariern ist wohl die Hauptursache. Aber, seien wir einmal ganz dramatisch ehrlich: haben wir nicht alle Mitschuld für das, wofür wir jetzt die Rechnung, zahlbar in BSE-Opfern und durch regelmäßige Gammelfleisch-Großfunde, präsentiert bekommen? Bestanden wir nicht auch schon damals penetrant auf dem 25-Pfennig-Ei oder dem Dreimarkfünfundneunzig-Schnäppchen-Hähnchen? War nicht „Hauptsache billig!“ unsere Devise?

Die Rinderseuche mit dem großen Vergessen im Schlepptau, sie kam mit unerbittlicher Logik. Weil alle sparen wollten, die Bauern an kostenintensiver, artgerechter Tierhaltung und am Futter, die
Schlachter am Entsorgen des verseuchten Gehirn- und Nervengewebes. Und der Verbraucher? Er darf nicht mit Steinen schmeißen, sitzt er doch erneut im moralischen Glashaus – unter anderem wegen Schnäppchen-Wahn an der Gammelfleischtheke.

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